Ap13_Crow/ Mai 25, 2016/ Non classé


Vitamin D Kapseln

Vitamin D Supplementierung – Welche Vor- und Nachteile bringt sie mit sich?

Lesen Sie im Folgenden einen Artikel zur Frage, ob eine Hochdosistherapie zum Ausgleich eines
mittels Blutbild des Patienten nachgewiesenen Mangels an Vitamin D und seinen aktiven Metaboliten
im Blut auch nachteilige Effekte haben kann.

Dazu steht ihnen ein auf allen Endgeräten zugängliches Dokument zur Verfügung.

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Ansonsten finden Sie den Text aber auch ausführlich im Folgenden.

Zusammenfassung:

“Die orale Einnahme von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel ist durchaus empfehlenswert und sinnvoll, solange sie im Rahmen der empfohlenen Tagesdosis bleibt oder therapeutisch durch regelmäßige Messungen kontrolliert wird.”

Funktion und Wirkweise von Vitamin D:

Die physiologische Funktion im Körper von Vitamin D (1,25-(OH)2-Vitamin D3, syn. Calcitriol) dient grds. der Aufrechterhaltung der Ca²+-Konzentration im Blut. Untergliedern lässt sie sich im Wesentlichen in drei Hauptaufgaben.

  1. Die Aufnahme von Ca2+ aus der Nahrung über den Darm wird gesteigert.
  2. Es wird vermehrt Ca2+ aus dem Knochen freigesetzt.
  3. Die Ausscheidung von Ca2+ über die Nieren wird durch vermehrte Rückresorption gehemmt.

 Calcitriol wird dabei im Körper aus Vorstufen gebildet. Angefangen mit der Vorstufe des 7-Dehydrocholesterin, das in der Haut durch UVB-Strahlung in das bereits als Prohormon wirksame  Vitamin D3 [syn. Colecalciferol] umgewandelt wird. Letzteres ist jenes Vitamin, das vermehrt in Nahrungsergänzungsmitteln und in Präparaten zur Substitution wie Dekristol ® auf dem Markt angeboten wird. Dieses wird dann im Körper weiter über die Leber zu 25-(OH)-Vitamin D3 und letztlich durch die Enzyme im Nierengewebe teils abgebaut, teils zum aktiven Calcitriol (1,25-(OH)2-Vitamin D3) umgesetzt.  Hinsichtlich der hohen Substitutionsdosen lässt sich sagen, dass gewöhnlich ein Tagesbedarf von 1000 IE angenommen wird und eine Substitution iR von 400-600 IE vorgenommen wird. Die Beurteilung ist aus pharmazeutischer Sicht kritisch, da es einerseits nur eine schwache Studienlage gibt (1). Weiterhin sind die zusätzlichen Wirkungen von Calcitriol zu beachten (2), die über meist divergierende Mess- und Nachweisverfahren von Vitamin D3-Spiegeln im Blut (3) nur schwer klare Voraussagen treffen lassen. Letztlich gilt es noch den Nutzen hoher Supplementierung zu bewerten (4).

1. Studienlage:

Zur Studienlage lässt sich sagen, dass die durchgeführten Untersuchungen zumindest Anhaltspunkte zu verschiedenen Bevölkerungsgruppen und vor allem zur endogenen, also körpereigenen Vitamin D-Produktion zulassen. (http://jn.nutrition.org/content/135/2/317.long ).

Bezogen auf hellhäutige Menschen, die bereits nach 10-12 min durchschnittlicher, sommerlicher Sonnenexposition erste Hautrötungen zeigen, wird angenommen, dass im Körper Vitamin D-Mengen von 10.000-20.000 IE in 24 Stunden freigesetzt werden können. Derartige Wirkstoffkonzentrationen werden bei realistischer Betrachtung vmtl. nur während eines aktiven Sommerurlaubes erreicht werden, so dass diese Spitzenpegel gewöhnlich nicht erreicht werden. Und für Deutschland mit seiner geographischen Lage zwischen dem 47° – 55°N

Vitamin D Status Abbildung

Fig.7 Stages of nutritional vitamin D status. Concentrationsin ng/mL can be converted to nmol/L using a multiplication factor of2.5. (aus Intake Recommendations of Vitamin D (s.o.) S. 321)

Breitengrad ist gerade in den Wintermonaten von November bis einschließlich Februar davon auszugehen, dass die Strahlungsintensität nicht ausreicht um den Schwellenwert von ~ 20mJ/cm² als notwendige “Mindestenergie” auch über die Mittagszeit hinweg zu erreichen und damit die Vitamin D-Produktion in der Haut anzuregen und das unabhängig von der Fläche der exponierten Hautareale.

Eine Intoxikation durch eine erhöhte Sonnenexposition in den Sommermonaten ist jedoch nicht zu befürchten, da im Körper Gegenregulationsmechanismen existieren. So wird zB. bei übermäßiger Sonneneinstrahlung vermehrter Calcitriol zu inerten Produkten wie Suprasterol I und II abgebaut. (Quelle 2) Weitere regulierende Umweltfaktoren können das Alter (6), die steigende Hautpigmentierung (4, 7), die Jahreszeit und der Breitengrad oder die Kleidung bzw. ein Sonnenschutz sein.

2. Die unerwünschten Wirkungen von Calcitriol und Calcidiol

  • Vielfach werden positive Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung auf das Diabetes mellitus-Risiko, erhöhte Blutzuckerwerte und die Langzeitüberlebensrate diskutiert. Eine aktuelle Metaanalyse, die die Effekte von Vitamin D auf Diabetes und Prädiabetes angesichts der verschiedenen klinisch kontrollierten Studien vergleicht, zeigt, dass es vermutlich keinen Vorteil gegenüber Placebo gibt. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4483466/
  • Sieht man sich dabei die Studien im Einzelnen an, so zeigt sich, dass teils sehr hohe Dosierungen gewählt wurden. Die höchste Einzeldosis als Einmalgabe lag bei 450000 IE bezogen auf 12 Wochen oder 300000 IE auf 4 Wochen, was einer täglichen Einzeldosis von mehr als 10700 IE entspricht.
  • In einer Studie wurde sogar körpergewichtsbezogen dosiert, so dass im Mittel 89000 IE pro Woche über einen Gesamtzeitraum von 2 Jahren verabreicht worden sind.  http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3554269/
  • Dabei konnte zwar der erhoffte positive
    Grafik Kurve Vitamin D Spiegel

    Serumspiegel von 25-(OH)-Vitamin D während der Studie im Vergleich zu Placebo.

    Effekt auf die spätere Entwicklung eines manifesten Diabetes mellitus aus einer prädiabetischen Situation gegenüber Placebo nicht nachgewiesen werden, doch zeigte sich trotz der Hochdosistherapie, dass die Serumspiegel nicht über einen Maximalwert von ca. 70ng/ml stiegen. Eine zeitgleiche Gabe von Calcium-Präparaten wurde jedoch nicht durchgeführt. In dieser Studie fehlt leider eine Beschreibung der Nebenwirkungen, dennoch zeigt sich, dass die letztlich zur Studie zugelassenen Patienten nicht wegen schwerer Folgen bei der Behandlung später von der Studie ausgeschlossen werden mussten.

  • In der Gesamtanalyse aller untersuchten Studien ließ sich kein signifikant erhöhtes Risiko für zu hohe Kalziumspiegel im Blut (Hypercalciämie), Nierensteine (Nephrolithiasis), erhöhte Kalziumausscheidung über die Niere (Hypercalciurie), Knochenbrüche oder Tod oder andere schwerwiegende Endpunkte feststellen.
  • Schwierigkeiten für die Beurteilung ergeben sich aus Schwächen der Studien, da diese meist mit sehr kleinen Patientenzahlen und meist nur über einen kurzen Zeitraum von maximal ein bis zwei Jahren nachverfolgt wurden; in vielen Fällen sogar nur ein paar Monate.

3. Die Analysenwerte

Die Analysewerte sollten auf das Calcidiol (25-(OH)-Vitamin D3) ausgerichtet sein, damit auch ein eindeutiger Unterschied im Falle einer Substitution erkennbar wird. Die Spiegel von 1, 25-(OH)-Vitamin D3 oder Calcitriol werden physiologisch auf einem annähernd konstanten Wert gehalten und sinken nur in extremen Mangelsituationen.

Wichtig für die Beurteilung ist weiterhin die angegebene Einheit:

  • häufig verwendet wird zB die Einheit ng/ml. Nach der derzeitigen Klassifizierung werden Mangelzustände bei Blutserumwerten von weniger als 30ng/ml angenommen. Toxische Bereiche werden ab 100ng/ml erreicht. (s. obige Grafik)
  • zudem gibt es noch die Angabe in mmol/L. Hier befindet sich die Untergrenze umgerechnet bei 75mmol/L, so dass aber auch die empfehlenswerten Dosisbereiche höher liegen, und zwar bei 90 – 100 mmol/L.

Aufgrund dieser sich überschneidenden Zahlenwerte kann es leicht zu Verwirrung kommen!

4. Statement/ Bewertung

Abschließend lässt sich damit festhalten, dass die Vitamin D-Supplementierung zwar keinen Einfluss auf die Entstehung von Diabetes hat und diesbezüglich keinen Nutzen bringt, dennoch physiologisch bekannt und in Studien belegt für die Regulation der Knochendichte mitverantwortlich ist und damit einen positiven Nutzen im Falle osteoporotischer Veränderungen zeigt. Die daraus resultierende Minderungen von Knochenbrüchen geht ebenfalls mit einer höheren Lebensqualität insb. für ältere Menschen und damit vermutlich auch einer leicht erhöhten Lebenserwartung. Die Effekte hinsichtlich der Prävention von Darmkrebs sollen hier nicht weiter erörtert werden, da sie noch separat zu untersuchen sein werden.

–> Eine Vitamin-D-Therapie kann daher in den Wintermonaten und bei bestehenden Vorerkrankungen oder Risikofaktoren empfehlenswert sein. Lassen Sie sich dazu im Einzelfall von ihrem Arzt oder Apotheker beraten.