Ap13_Crow/ Juli 4, 2016/ Superfoods

Maca – Heilpflanze aus den Anden

Maca, arzneilich verwendete Pflanzenteile

Maca Hypokotyl

Allgemeines

Die Maca-Pflanze (Lepidium meyenii Walp.) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse
und stammt aus den Höhenlagen der peruanischen Anden. Die einheimische Bevölkerung
verzehrt die Wurzelknollen der Pflanze entweder nach Erhitzen frisch, oder sie werden ge-
trocknet und zum Beispiel als Mehl weiter verarbeitet. Seit einigen Jahren werden macahaltige Pro-
dukte in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel im Handel, insbesondere über das In-
ternet, angeboten. Die Kapseln, Dragees und Tabletten werden teilweise als die Potenz,
Fertilität und Libido steigernd beworben, Sportlern werden Leistungszuwächse versprochen.
Da das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) immer wieder Anfragen zu macahaltigen
Produkten erhält, hat das Institut die Wurzelknolle gesundheitlich bewertet.
In der wissenschaftlichen Literatur sind nur wenige Studien vorhanden, die für eine gesund-
heitliche Bewertung von Maca herangezogen werden können. Systematische Untersuchun-
gen fehlen. Bei Zufuhr von Maca oder Macaextrakten wurden in einigen Tierversuchen Effek-
te auf die Geschlechtsorgane sowie auf den Hormonhaushalt beobachtet. Hierdurch könnten
unerwünschte Wirkungen hervorgerufen werden. Aus der vorliegenden wissenschaftlichen
Literatur ergeben sich bisher keine konkreten Belege für unerwünschte Wirkungen von Ma-
cazufuhren beim Menschen, wobei die Datenbasis derzeit jedoch unzureichend ist. Aus den
vorliegenden Daten kann derzeit keine unbedenkliche Verzehrsmenge von Maca in Lebens-
mitteln und Nahrungsergänzungsmitteln abgeleitet werden.

Näheres zur Pflanze “Maca”

Maca (lat.: Lepidium meyenii Walp. bzw. Lepidium
peruvianum Charcon
), gehört zur Familie der Brassicaceae (Cruciferae).
Die Pflanze wächst in den Anden in großen Höhen bis zu 4450 m und wird dort als Feldfrucht angebaut.
Als Lebensmittel wie auch in der Volksmedizin wird Bundesinstitut für Risikobewertung
das Hypocotyl der Pflanzen (= unterster Abschnitt der Sprossachse einer Samenpflanze vom
Wurzelhals bis zu den Keimblättern) verwendet.
Umgangssprachlich wird hierfür häufig die Bezeichnung „Macawurzel“ („maca root“) verwendet, die auch
im Folgenden benutzt wird.
Frisch geerntet werden die Wurzelknollen vor dem Verzehren erhitzt. Um sie haltbar zu ma-
chen, werden sie getrocknet. Getrocknetes Maca wird vor dem Verzehr in Wasser oder Milch
gekocht und dann zu Brei oder (mit Honig und Früchten) zu Säften verarbeitet. Es wird auch als
Mehl zur Herstellung von Brot oder Gebäck genutzt sowie mit Kartoffeln, Quinoa oder Soja-
bohnen zur Herstellung verschiedener Gerichte und Nachspeisen gemischt.
Große Mengen an Maca sollen auch in der pharmazeutischen bzw. in der Nahrungsergän-
zungsmittelindustrie verwendet werden.

Die Wurzeln kommen in verschiedenen Farbvariationen vor, die von schwarz, violett bis
cremefarben und gelb reichen, wobei bestimmte Farbvarietäten (gelbes Maca) geschmack-
lich bevorzugt werden. Zusätzlich zur Wurzel werden die Pflanzenblätter als Salat verzehrt
(Hermann and Heller, 1997).
Belege für den humanen Verzehr von rohen Macawurzeln wurden in der Literatur nicht gefunden.
Die Volksmedizin schreibt den getrockneten Wurzelknollen aphrodisierende und die weibli-
che Fruchtbarkeit fördernde Wirkungen zu (Hermann and Heller, 1997; Valerio and Gonza-
les; 2005).
Die frischen Wurzelknollen (Hypocotylen) weisen einen Wassergehalt von ca. 80 % auf. Für
getrocknete Wurzeln werden Gehalte von 59 % an hydrolysierbaren Kohlenhydraten, ca.
10 % an Wasser, circa 10 % an Protein, 8,5 % an Ballaststoffen, 2,2 % an Lipiden (davon ca.
33 % Linol-, 24 % Palmitinsäure) und 4,9 % an Asche angegeben (Dini et al., 1994).
Die Wurzel enthält verschiedene sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. In erster Linie sind dies
Glucosinolate (vor allem Glucotropaeolin und m-Methoxyglucotropaeolin). Für getrocknetes
Maca werden Gehalte im Bereich von 0,5-2 % angegeben (Bernart, 2006; Picente et al.,
2002). Auch Imidazol-Alkaloide (Lepidilin(e) A, B), acyclische polyungesättigte Fettsäuren
(Macaene) und benzylierte Amide (Macamide; z.B. N-benzyl-5-oxo-6E, 8E-octadecadiena-
mid) wurden nachgewiesen (Cui et al., 2003; Ganzera et al., 2002). Bei letzteren wurden
Gesamtgehalte im Bereich von 16-120 mg/kg getrockneter Knolle berichtet (McCollom et al.,
2005). Bei den Sterolen bilden β-Sitosterol, Campesterol und Ergosterol die Hauptkomponenten (Dini et al., 1994).
Nach der NEM-Liste 2007 werden macahaltige Nahrungsergänzungsmittel sowohl als Monoprodukteals auch in Kombination
mit anderen Substanzen vertrieben. Als Macaquelle wirdmeist Macapulver, in einem Fall Macaextrakt verwendet (NOWEDA, 2007)

Zusammenfassung des BfR

  1. Es liegen keine ausreichenden Untersuchungen für eine gesundheitliche Bewertung von
    Macawurzeln und Macazubereitungen vor.
    Macawurzeln werden nach einer Hitzebehandlung traditionell als Lebensmittel in der Anden-
    region verzehrt. Darüber hinaus liegen keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersu-
    chungen vor, die die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Macawurzeln bzw. Macazuberei-
    tungen belegen. Klinische Untersuchungen am Menschen sind nur auf wenige Studien mit
    kleinem Studienkollektiv beschränkt. Auch unter Berücksichtigung von Tierstudien ergibt sich
    kein eindeutiges Bild. Entsprechende systematische Untersuchungen zur gesundheitlichen
    Beurteilung fehlen. Die oben zitierten Studien wurden nicht mit der Zielsetzung durchgeführt,
    gesundheitlich unerwünschte Wirkungen gezielt aufzudecken, und sie wurden häufig nicht
    nach den hierfür wissenschaftlich üblichen Standards, wie beispielsweise den OECD-
    Guidelines, durchgeführt. Hinzu kommt, dass Maca und Macaextrakte je nach Herstellung
    (z.B. wässriger, methanolischer, ethanolischer Extrakt) möglicherweise unterschiedliche
    Wirkungen aufweisen.
  2. Die Ergebnisse der Tierstudien können nur der Orientierung über mögliche Wirkungen von
    Macazufuhren dienen. Die beobachteten, als potenziell unerwünscht einzustufenden Wir-
    kungen betrafen die Geschlechtsorgane und/oder Interaktionen mit Hormonwirkungen. Sie
    umfassten erhöhte Uterusgewichte bei ovarektomierten Tieren, reduzierte Gewichte der Sa-
    menblasen und der Prostata, sowie bei hohen Macazufuhren (ca. 5,7-17,5 g/kg KG/Tag)
    erhöhte Testosteron- und Progesteronspiegel (beobachtete Wirkungen hinsichtlich Sper-
    mienzahl und Spermatogenese bleiben hierbei unberücksichtigt, auch die Frage, in wie weit
    diese, sofern sie tatsächlich vorhanden sein sollten, als pharmakologische Wirkungen einzu-
    stufen wären). Es ist jedoch einschränkend zu berücksichtigen, dass zum Teil widersprüchli-
    che Untersuchungsergebnisse
    zu den oben genannten Wirkungen vorliegen oder die Unter-
    suchungsergebnisse teilweise bisher nur in einer Studie oder nur mit einer Farbvarietät
    beobachtet wurden. Die dort verabreichten Zufuhren lagen teilweise deutlich über Zufuhren, die
    mit Nahrungsergänzungsmitteln (5,7-71 mg/kg KG/Tag; meist 8,5-34 mg/kg KG/Tag; siehe
    unten) erreicht werden.
    Die Ergebnisse der Tierstudien sind als Hinweise aufzufassen, dass Zufuhren von Maca o-
    der Macazubereitungen möglicherweise Wirkungen auf Geschlechtsorgane haben und/oder
    in Interaktionen mit Hormonwirkungen treten und hierdurch unerwünschte Wirkungen hervor-
    rufen könnten. Konkrete wissenschaftliche Belege für das Auftreten unerwünschter Wirkun-
    gen beim Menschen in den oben genannten Bereichen oder anderer Art liegen jedoch bisher
    nicht vor.
  3. Es liegen erste Hinweise vor, wonach verschiedene Farbvarietäten von Maca (rot, gelb,
    schwarz) möglicherweise unterschiedliche Wirkungen hervorrufen können.
    Die angeführten Fakten dienen lediglich der Darstellung des Gefährdungspotenzials. Fragen
    der Wirksamkeit von Macazufuhren im Sinne der beworbenen positiven Wirkungen sind nicht
    Gegenstand dieser Stellungnahme.
  4. Dosierung
    Für Einwohner der zentralen Anden Perus werden Zufuhrmengen von mehr als 100 g Ma-
    ca/Tag angegeben, pro Portion sollen 50-100 g getrocknetes Maca verzehrt werden. In bei-
    den Fällen ist unklar, aus welchen Quellen die Autorenangaben stammen (Valerio and Gon-
    zales, 2005; Chung et al., 2005).
    Nach der NEM-Liste 2007 lagen die empfohlenen täglichen Zufuhrmengen der dort aufge-
    führten macahaltigen Nahrungsergänzungsmittel zwischen 400-5000 mg, (entsprechend 5,7-
    71 mg/kg KG/Tag bei 70 kg Körpergewicht), meist jedoch zwischen 600-2400 mg/Tag (8,5-
    34 mg/kg KG/Tag) (NOWEDA, 2007).

Quelle [Stellungnahme Nr. 024/2007 des BfR vom 3. April 2007]

Hier geht es direkt zum BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung)