Ap13_Crow/ September 18, 2016/ Toxikologie

Allgemeines über Amphetamine

Dextroamphetamin und Methylphenidat (Ritalin®) werden als Vertreter der Klasse der Amphetamine bei der Behandlung von Narkolepsie und dem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) bei Kindern und in seltenen Fällen auch bei Erwachsenen eingesetzt.
Weiterhin werden einige Substanzen (zum Beispiel Amfepramon [Tenuate®] oder Cathin [Alvalin®]) im Rahmen ihrer appetitzügelnden Eigenschaften zur Gewichtsreduktion verwendet. Ebenso wurden Fenfluramin und Dexfenfluramin als Anorektika vermarktet, jedoch relativ schnell im Jahre 1997 wieder vom Markt genommen, da sie Herzklappenschäden und pulmonale Hypertonie bei Langzeitanwendung verursachten.
Leider wird auch eine Reihe von (verschreibungspflichtigen oder illegalen) Stoffen als Stimulans oder Halluzinogen verwendet. Die bekanntesten dabei sind das Methamphetamin (“Crank” oder “Speed”), das 3,4-Methylendioxymethamphetamin (“MDMA” oder “Ecstasy”) oder das chemisch etwas weiter entfernte Lysergsäurediethylamid (“LSD”).

Mechanismus der Toxikologie

Amphetamine und ihnen ähnliche Drogen aktivieren das sogenannte sympathische Nervensystem durch direkte Stimulation von Neuronen des zentralen Nervensystems (ZNS), der peripheren Freisetzung von Katecholaminen (wie z.B. Adrenalin und Noradrenalin) und der Hemmung von abbauenden Prozessen wie des Enzyms Monoaminooxidase (MAO).
Amphetamine, insbesondere MDMA, Fenfluramin und Dexfenfluramin verursachen auch eine Serotonin-Freisetzung und blockieren gleichzeitig die neuronale Wiederaufnahme dieses Botenstoffes. Die verschiedenen Stoffen haben dabei teils ganz unterschiedliche Profile angesichts ihrer Katecholamin- und Serotonin-Wirkungen, welche durch eine jeweils verschiedene zentrale und periphere Stimulation erzeugt wird.

Pharmakokinetik

Alle diese Stoffe werden oral gut aufgenommen und haben relativ große Verteilungsvolumina im Körper (Vd= 3-33 L/kg, mit Ausnahme von Pemolin mit 0,2-0,6 L/kg) Zu einem großen Anteil werden sie in der Leber verstoffwechselt.
Die Ausscheidung der meisten Amphetamine über die Nieren ist zudem stark vom pH-Wert abhängig, so dass sie schnell bei einem sauren Harn-pH eliminiert werden.

Toxische Dosis

Diese Substanzklasse hat im Allgemeinen eine sehr niedrige therapeutische Breite, so dass ihre Toxizität bereits unweit der gewöhnlich eingesetzten Dosisbereiche liegt. Dennoch kann eine hohe Toleranzschwelle entwickelt werden durch die langfristige und wiederholte Einnahme dieser Stoffe. Die akute Aufnahme von mehr als 1mg/kg Körpergewicht von Dextroamphetamin (bzw. ein Dosisäquivalent einer der anderen, beschriebenen Wirkstoffe) kann als potentiell lebensbedrohlich eingestuft werden.

Klinische Symptomatik

  • Akute Wirkung auf das ZNS
    • Bei einer akuten Vergiftung treten zunächst folgende Symptome auf:
      1. Euphorie
      2. Gesprächigkeit
      3. Ängstlichkeit
      4. Ruhelosigkeit und Agitiertheit
      5. bis hin zum Koma
  • Akute periphere Wirkungen
    • Am Körper werden dafür andere Merkmale sichtbar wie z.B.:
      1. vermehrtes Schwitzen,
      2. Zittern
      3. Muskelkrämpfe und Muskelsteife
      4. Herzrasen (Tachykardie) und Bluthochdruck (Hypertonie)
      5. mangelnde Blutversorgung des Herzens (akute myokardiale Ischämie), bis zum Herzinfarkt
  • Der Tod wird meist durch ventrikuläre Arrhythmie, Epilepsieanfall (status epilepticus), Hirnblutungen oder Hyperthermie verursacht. Die Hyperthermie resultiert meist durch die erhöhte muskuläre Aktivität, welche in der Folge Hirnschäden, Rhabdomyolyse und Nierenversagen hervorrufen kann.
  • Chronische Effekte des Amphetamin-Missbrauchs beinhalten Gewichtsverlust, Herzmuskelschädigung (Kardiomyopathie), Lungenbluthochdruck, Zahnschäden, stereotypes Verhalten, Paranoia und paranoide Psychosen. Psychiatrische Störungen können dabei auch nach Absetzen noch Tages bis Wochen fortdauern. Im Rahmen der Abstinenzphase nach dem Absetzen der gewöhnlichen Einnahme treten zudem häufig Müdigkeit, Abgeschlagenheit, eine erhöhtes Schlaf- (Hypersomnie) und Essbedürfnis (Hyperphagie), sowie depressive Phasen auf.

Diagnose

Die Diagnose basiert maßgeblich auf der Vorgeschichte der Amphetamin-Nutzung und einer klinische Analyse sowie dem spezifischen Nachweis der Substanzen.
Amphetamine und ihnen ähnliche Substanzen können aus Proben des Urins oder Mageninhalts heraus detektiert werden und so Aufschluss über die Exposition geben. Dennoch korrelieren die die Blutserum-Konzentrationen nicht unmittelbar mit der Schwere der klinischen Symptome. Bei den Nachweisen können Abbauprodukte und andere adrenerge Amine den Nachweis stören. Z.B. wird Selegilin, ein Medikament zur Behandlung des Morbus Parkinson, unter anderem zu Amphetamin und Metamphetamin verstoffwechselt, so dass auch hier positive Ergebnisse iR eines Blut- oder Urintests entstehen können.
Amphetamin, Methamphetamin und MDMA können auch mittels der Verwendung von Haarproben durch flüssig- oder gaschromatografischen Aufschluss nachgewiesen werden. (zB GC-MS)

Behandlung

Neben den üblichen Erste-Hilfe und Notfallmaßnahmen wie der Offenhaltung der Atemwege sollte die Agitiertheit und die ggfs. erhöhte Körpertemperatur behandelt werden.
Die Agitiertheit kann meist mit gutem Erfolg durch den Einsatz von Benzodiazepinen behandelt werden. Auch Butyrophenone wie Haloperidol können Anwendung finden.
Die Körpertemperatur und andere Lebenszeichen sollten regelmäßig überprüft werden, ebenso wie ein EKG. Minimal bietet sich ein Zeitraum von 6 Stunden an.
Es existieren keine spezifischen Antidote. Symptomatisch können bei der Hypertonie Vasodilatoren (Nitro-Verbindungen wie Nitroprussid-Natrium) eingesetzt werden. Für die Tachyarrhythmie sind Beta-Blocker wie Propanolol oder Bisoprolol angezeigt.